Seit zwei Wochen rühmt sich der Nationale Widerstand Jena im Internet, sein „Emil G.“ habe den Fragenkatalog für das UNIQUE-Interview erfolgreich gerügt bis die Redakteure Lutz Thormann und Fabian Köhler eine annehmbare Fassung vorgelegt hätten – jetzt sieht sich die Redaktion zu einer Klarstellung veranlasst: „Fakt ist, dass die Interviewfragen zu 100% aus der Feder der interviewführenden Redakteure stammten und nur von diesen abgeändert wurden.“ Das kam spät und nur als Ergebnis der öffentlichen Kritik (und wurde soeben vom NWJ bestätigt). Damit soll namentlich dem Rechtsextremismusreferenten des Stura Berengar Lehr der Wind aus den Segeln genommen werden, der diesen Punkt als den Gipfel „mangelnder Professionalität“ herausgestellt hatte (hier).
Diese Kritik ist, wie gesagt, nicht unsere. Uns ist es egal, wer die Stichworte für „Emil“ formuliert hat – für uns zählt, dass dieses Interview eine reine Selbstdarstellung des nationalen „Emil“ ist. Wir haben die wohlwollende Unterstellung abgelehnt, der UNIQUE wäre es um eine gute Sache gegangen, die nur schlecht gemacht worden sei. Und genau das bestätigen die Stellungnahmen, die auf der UNIQUE-Seite inzwischen veröffentlicht worden sind.
Die Stellungsnahmen sind dabei widersprüchlich. Laut Fabian Köhler war dieses Interview „nicht nur der mutigste, sondern auch interkulturellste Beitrag war, den die Unique jemals hervorgebracht hat“: „Es ging uns nicht um kritische Begleitung seiner Aussagen. Wir wollten sie so darstellen wie andere Formen des Aktivismus auch.“ Das ist bestens gelungen und wir fragen uns, was dann die „berechtigte Kritik an der Qualität des Interviews“ sein soll, die die UNIQUE-Redaktion „annimmt“. Die Argumente, mit denen dieses Interview verteidigt wird („Bruch mit heuchlerischen, verlogenen journalistischen Tabus“ etc.), und die Vehemenz, mit der das geschieht („Rufmordkampagne“ von „Berufsempörern“), zwingen zu dem Schluss: Diese „Annahme von Kritik“ ist eine Phrase, die zur Beschwichtigung schnell aufgesagt wird.
Das ist nicht der einzige Punkt, in dem die Beteiligten sich widersprechen, und es hat den Anschein, als würde planmäßig eine Verwirrungstaktik verfolgt. Einerseits wird – natürlich „ohne damit irgendeinen der größtenteils legitimen Kritikpunkte … relativieren zu wollen“ – in Anspruch genommen, man sei eben kein professioneller Redakteur. Andererseits will man alles besser wissen als die Kollegen mit ihren „Berührungsängsten“, ihren „heuchlerischen, verlogenen Tabus“, ihrer „Nazi-Hysterie“, und tut geradeso als ob man das Patentrezept für den antifaschistischen Kampf entdeckt habe. Und diese Leute werfen uns elitäres Denken vor!
Auf unsere Kritik an dem Kommentar, der in der Frauenklinik die „Aktion T4″ fortgeführt sieht, geht in den Stellungnahmen niemand auch nur mit einem Wort ein. In anderen Punkten versucht Lutz Thormann, plump den Spieß umzudrehen: „Wer mit Nazis spricht, ist automatisch auch ein Nazi. Wer sich für die Rechte des palästinensischen Volkes engagiert, muss zwangsläufig ein Antisemit sein.“ Jeder kann nachlesen, dass wir beides nicht behauptet haben. Ob er nun Antisemit ist oder nicht: Fabian Köhler muss sich die Äußerungen auf seiner Homepage zurechnen lassen. Und wenn dort geleugnet wird, dass es auf den aktuellen Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg antisemitische Tendenzen und Gewalt gibt, stärkt das den Tätern den Rücken. Gibt man „Antisemitismus“ in das Suchfeld von ism-germany.net ein, findet man vier (!) Beiträge, die zeigen, was diese mörderische Ideologie für Fabian ist: Nichts als ein Vorwand, um den palästinensischen „Befreiungskampf“ zu diskreditieren!
Eindeutig sind die Repliken von Lutz Thormann und „dem Chef“ nur in einer Hinsicht: Diese beiden sind auf der Linie der Jungen Freiheit angekommen, wobei Thormanns Niveau weit darunter liegt! „Rufmordkampagne“, „die Landtagsfraktion der Linken neben anderen Berufsempörern“, „pauschalisierte und heuchlerische Nazi-Hysterie“, „Rechtsextremismusreferent des Stura und die Jenaer Antifa in gewohnt geifernder Weise“, „Hetzpropaganda“, „Bruch mit heuchlerischen, verlogenen journalistischen Tabus“, „blindwütiger, vollkommen unreflektierter Empörungsautomatismus“, „linke Berufsempörer“, „feige den Diskurs ÜBER Nazis … gebetsmühlenartig wiederkäuen“, „pubertierender Antifa-Pickeldrücker“ etc. etc. Diese Sprache kennen wir genau und wer sie nicht kennt, sollte bei Google mal nach „Berufsempörer“ oder „Nazi-Hysterie“ suchen und sich informieren, aus welcher Ecke das kommt.
Solche Leute haben in vom Stura geförderten Projekten nichts zu suchen!
Veranstaltungshinweis: „Wieviel Raum darf eine Studentenzeitung einem Nazi bieten? Wo verläuft die Grenze zwischen ausgewogener Berichterstattung und journalistischem Versagen?“ – Mittwoch, 20 Uhr, Hörsaal 8 am Campus. Mit dem Auftreten von Nazis, die nun Morgenluft wittern, muß gerechnet werden.
(gefunden auf: http://jena.antifa.net/cms/Aktuelles/876-unique-dementiert-und-wie)